Chronik

50 Jahre Zeitgeschichte

Im Laufe des Herbstes 1949 wurde in musik- und heimatliebenden Kreisen junger Wellingholzhausener immer mehr der Wunsch nach einer eigenen Blaskapelle laut. Dass einer erfolgreichen Gründung viele Schwierigkeiten im Wege standen, darüber war man sich klar. Vor allen Dingen kam es darauf an, zuverlässige Mitglieder zu gewinnen, die sich auch durch anfängliche Misserfolge und materielle Opfer nicht entmutigen ließen. Als eine nicht minderschwierige Frage erwies sich die Instrumentenbeschaffung und die Bereitstellung eines geeigneten, d.h. von der Außenwelt möglichst dichtabgeschlossenen Übungslokales.

Nachdem auch bei einer Versammlung aller Interessenten im Gasthaus Lindhaus-Knemöller keine konkreten Beschlüsse gefasst wurden, reifte bei zwei Männern, nämlich Konrad Bitter und Hans-Kurt Lumme der kühne Plan, ohne einen Pfennig Geld nach Osnabrück zu fahren, um Instrumente zu beschaffen. Es gelang Ihnen, bei dem Instrumentenbaumeister Arthur Schulte für ca.750,00 DM gebrauchte Instrumente auf Kredit zu bekommen. Die Finanzierung war so gedacht, dass jedes Mitglied erst einmal 50,00DM zahlen sollte, um die Anzahlung tätigen zu können. Als dieses Vorhaben bekannt wurde, schickten die ersten bereits ihre Instrumente zurück. Andere brachten das Geld zum Teil unter größten Opfern auf.

Für die Entstehung und weitere Entwicklung der Heimatkapelle erwies sich dieser Plan jedoch als der einzig richtige, denn hier durch wurde zunächst die Spreu vom Weizen getrennt. Die restlichen Unentwegten aber fühlten sich durch ihr uneigennützigen Opfer und durch ihren persönlichen Einsatz umso mehr der jungen Kapelle verpflichtet. Nach dem nun die Instrumentenfrage auf ziemlich gewagte Art gelöst war, musste ein geeignetes Übungslokal gefunden werden, denn man kann es keinem übel nehmen, wenn er es ablehnt, in seiner Behausung und Umgebung eine noch in den Kinderschuhen stehende Blaskapelle üben zu lassen, erst Recht nicht, wenn die meisten ihrer Mitglieder nicht einmal Noten kannten. Schließlich wurde mit Engelberts Küche eine Notlösung gefunden. Später ging man in das Gasthaus Nordheider und von 1956 bis 1974 war das Gasthaus Seidel/Hunfeld das Domizil.

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Die Kapelle 1949 v.l.n.r.: Kurt Bitter, Josef Lemme, Gerd Lumme, Heinrich Strubberg, Arthur Nawitzky, Hugo Theiling, Albert Hölscher, Josef Lietmann, Heinrich Steinkühler, Ewald Lemme, Hans Süwer, Hans-Kurt Lumme, Nawitzky, Paul Schrage, Hans-Kurt Uhlemann

Die Übungsstunden bei Engelbert gehörten zu den schönsten Erinnerungen aller alten Mitglieder, weil hier die schwersten Klippen musikalischen Anfängertums überwunden wurden und sich langsam aber sicher die ersten Erfolge abzeichneten. Es wurde viel geschimpft aber auch gelacht. Beispielhaft sei hier folgende Geschichteangeführt:

Als einmal „Ännchen von Tharau“ geübt werden sollte, sagte jemand: „Das haben wir ja gerade gespielt!“ „Nein“, entgegneten alle,“ eben haben wir „Sah ein Knab ein Röslein steh’n „gespielt.“ „Lass es sein wie es will, ich habe jedenfalls „Ännchen von Tharau“ geblasen!“ entgegnete der andere.

So kann sich der Außenstehende eine kleine Vorstellung davon machen, wie sich die ersten Übungsstunden anhörten.

Mit der Zeit gelang es, die ersten leichten Märsche und Walzer zu intonieren, so dass man sich vornahm, zu Ostern 1950 auf dem Beutling beim Ballschlagen erstmals öffentlich aufzutreten.

Doch zuvor war das Problem der noch nicht bezahlten Instrumente zu klären. 400,00DM Schulden führten dazu, dass der Lieferant der Instrumente persönlich vorstellig wurde und drohte, diese durch gerichtliche Verfügung einziehen zu lassen. Kassierer Mathias Meyer sprang hier in höchster Not ein und zahlte aus eigener Tasche zunächst 100,00 DM, um die Kreditwürdigkeit für einige Zeit zu erhalten.

Die restlichen Schulden und noch notwendige Neuanschaffungen waren aber nur abzudecken, indem man sich an die Öffentlichkeit wandte.

Landrat Borgmann, Bürgermeister Meyer und besonders auch der Vorsitzende des Heimat- und Verschönerungsvereins zeigten für die finanziellen Sorgen der Heimatkapelle volles Verständnis und kamen ihr weitgehend entgegen. Mit einem von den ebengenannten Herren unterzeichneten Aufruf wandte sich die Kapelle an die Spendenfreudigkeit musikliebender Heimatfreunde. Nachdem nun die Finanzen bereinigt waren, nahm die Lust am Musizieren wieder zu, zumal man den Förderern und Gönnern versprechen musste, wirklich zu Ostern auf dem Beutling zu spielen.

Dieses Versprechen wurde eingelöst; es war ein voller Erfolg für die junge Kapelle. Ermuntert hierdurch gelang es durch stetes Üben und viel Mühe schon bald einen Klangkörper zu bilden, der sich hören lassen konnte. Besondere Verdienste erwarb sich dabei Kapellmeister Kurt Bitter, indem er neben der musikalischen Leitung noch sämtliche Stücke für alle Instrumente selbst arrangierte, da das Geld für Noten fehlte.

Im Laufe des Sommers 1950 erhielt die Kapelle einen neuen Kapellmeister. Lehrer Rogoll übernahm die musikalische Leitung. Damit war man einen entscheidenden Schritt weiter gekommen. Denn während bis dahin jeder seine eigene Auffassung über Pünktlichkeit und Disziplin hatte, bekamen die Übungsabende in der Folgezeit eine einheitliche und geschlossene Linie.

Auch Karl Göbel stellte sich als erfahrener Militärmusiker mit seinem Kaiserbaß uneigennützig zur Verfügung und schulte die Kapelle dadurch in Gefühl und Takt. Am Feste „Maria Himmelfahrt 1951“ trat die Kapelle mit dem neuen Dirigenten zum ersten Mal auf.

Im kommenden Winter und Frühjahr begannen die Vorbereitungen für das erste öffentliche Konzert. Am 10. Mai 1952 war es dann soweit. Im überfüllten Saal von Seidel/Hunfeld fand ein Konzert statt, das alle Erwartungen übertraf. Dieser Erfolg war ein weiterer Ansporn für die Musiker und so wurde es Brauch, dass die Heimatkapelle in jedem Herbst ein Konzert veranstaltete.

Programm aus dem Konzert im Jahre 1953
Programm aus dem Konzert im Jahre 1953
Programm zum 10jährigen Jubiläum
Programm zum 10jährigen Jubiläum
Die Kapelle 1959 v.l.n.r.: Hubert Hellige, Johannes Birke, Hans-Kurt Lumme, Hugo Theiling, Siegfried Rupprecht, Heinrich Strubberg, Heinrich Ahringhoff, Hermann Heggemann, Ignatz Hölscher, Josef Lietmann, Hermann Schulte, Walter Grever, Hans Schulte, Albert Hölscher, KonradBitter.
Die Kapelle 1959
v.l.n.r.: Hubert Hellige, Johannes Birke, Hans-Kurt Lumme, Hugo Theiling, Siegfried Rupprecht, Heinrich Strubberg, Heinrich Ahringhoff, Hermann Heggemann, Ignatz Hölscher, Josef Lietmann, Hermann Schulte, Walter Grever, Hans Schulte, Albert Hölscher, KonradBitter.

So allmählich wuchs auch der Bekanntheitsgrad über die Gemeindegrenze hinaus und es dauerte nicht lange, bis die Kapelle ihre ersten Auftritte bei Volks-, Schützen- und Vereinsfesten in der näheren Umgebung hatte. Leider musste der derzeitige Dirigent, Lehrer Rogoll, seine Aufgabe aus Gesundheitsgründen aufgeben. Der Gründer der Heimatkapelle, Kurt Bitter, übernahm im Herbst 1953 wieder die Stabführung. Ihm gelang es in besonderem Maße die Jugend für die Blasmusik zu begeistern, und an Nachwuchs sollte es nicht fehlen. Die Heimatkapelle wurde in den Folgejahren immer mehr fester Bestandteil im kulturellen Leben von Wellingholzhausen.

Siegfried Rupprecht auf der Kirmes
Siegfried Rupprecht auf der Kirmes

Bis heute hat sich die aus der damaligen Zeit stammende Tradition, Wellingholzhausener Bürgern ab dem 90. Geburtstag und allen Jubelpaaren zum Fest der Goldenen Hochzeit ein Ständchen zu bringen, gehalten. Auch die Umrahmung kirchlicher Feste, z.B. Fronleichnam und Allerheiligen sowie das Turmblasen am Heiligen Abend sind fester Bestandteil im Jahresplan der Heimatkapelle geworden.

Zeitungsausschnitt aus dem Jahre 1964
Zeitungsausschnitt aus dem Jahre 1964

Einen Einschnitt für die Heimatkapelle gab es im Frühjahr 1971. Konrad Bitter, überzwanzig Jahre Dirigent, legte sein Amt nieder. Seine Nachfolge trat der langjährige Trompeter Hermann Tiemann an. Er setzte nun seinen ganzen Elan daran, den Leistungsstand der Heimatkapelle noch zu erweitern. Zu den bislang gepflegten Musikarten wurden moderne Rhythmen und Unterhaltungsmusik eingeführt. Sowohl bei den Musikern als auch in der Öffentlichkeit fand diese moderne Art der Blasmusik großen Anklang.

Die Heimatkapelle als fester Bestandteil des Dorflebens in Wellingholzhausen

"Kurtis´ größten Sorgenkinder" Ulkumzug 1956
„Kurtis´ größten Sorgenkinder“ Ulkumzug 1956
"Kapelle Feuerhahn" Ulkumzug 1958
„Kapelle Feuerhahn“ Ulkumzug 1958
Ulkumzug 1964
Ulkumzug 1964
Kirmes 1959
Kirmes 1959
Ständchen am Aussichtsturm 1964
Ständchen am Aussichtsturm 1964

25jähriges Jubiläum 1974

In der Geschichte der Heimatkapelle war das Jahr 1974, in dem die Kapelle ihren 25. Geburtstag feierte, ein besonderer Höhepunkt. Am Freitag, den 28. August (also auf den Tag genau 25 Jahre vor dem 50jährigen Jubiläum) begann bei herrlichem Spätsommerwetter das Fest mit einer Diskothek für die Jugend in den Festzelten auf dem Schützenplatz. Eine Disco in diesem Stil war in Wellingholzhausen bislang einmalig.

Foto aus dem Jahre 1974 vordere Reihe, von links nach rechts: J. Stumpe, W. Diekmann, H.Borgmann, E. Heinze, W. Tiemann, A. Ahringhoff, A. Hölscher, H.-Th. Sewöster, H. Schulte, H. Tiemann mittlerer Reihe, von links nach rechts: H. Birke, H. Hellige, H. Stumpe, J. Lietmann, G. Selhöfer, H. Ahringhoff, H. Stumpe, H.K. Diekmann, A. Hellige, D. Spangenberg, W. Horstmann hintere Reihe, von links nach rechts: K.H. Vossel, A. Meyer, H. Meyer, H. Heggemann, H.-H. Tiemann, S. Rupprecht, H. Heitz
Foto aus dem Jahre 1974
vordere Reihe, von links nach rechts: J. Stumpe, W. Diekmann, H.Borgmann, E. Heinze, W. Tiemann, A. Ahringhoff, A. Hölscher, H.-Th. Sewöster, H. Schulte, H. Tiemann
mittlerer Reihe, von links nach rechts: H. Birke, H. Hellige, H. Stumpe, J. Lietmann, G. Selhöfer, H. Ahringhoff, H. Stumpe, H.K. Diekmann, A. Hellige, D. Spangenberg, W. Horstmann
hintere Reihe, von links nach rechts: K.H. Vossel, A. Meyer, H. Meyer, H. Heggemann, H.-H. Tiemann, S. Rupprecht, H. Heitz

Am Samstag schloss sich ein großer Tanzabend mit der bekannten Showband „Regina“ an. Die Gründer der Heimatkapelle hatten in vorhergehenden Wochen kräftig geprobt und brachten unter der musikalischen Leitung von Kurt Bitter ein Ständchen. Bei dieser Gelegenheit ernannte der erste Vorsitzende des Heimat- und Verschönerungsvereins, Walter Rump, Kurt Bitter zum Ehrenkapellmeister. Albert Hölscher (Kassierer bis 1972) und Josef Lietmann (Geschäftsführer bis 1968) wurden ebenfalls für ihre über 25jährige ununterbrochene aktive Mitgliedschaft geehrt. Es war ein rauschendes Fest bis in die frühen Morgenstunden hinein.

Höhepunkt des Festwochenendes war der große Festumzug am Sonntag. Die Plakate hatten es verkündet: „Fünf Blaskapellen kommen nach Wellingholzhausen“. Es war ein imposantes Bild, wie die Kapellen sternförmig zum Dorfplatz marschierten. Unter ihnen die englische Militärkapelle „The Quins Lancashire Regiment“, mit der die Heimatkapelle schon seit einiger Zeit enge und freundschaftliche Kontakte unterhielt. Nach dem Umzug durch den Ort erfolgte auf dem Schützenplatz ein großes Platzkonzert sämtlicher Kapellen. Zum großen Finale um 18.00 Uhr intonierten alle Musiker gemeinsam „Alte Kameraden“, den Triumpfmarsch aus „Aida“ und das Stück „Rienzi“ von Richard Wagner. Im nachhinein muss festgestellt werden, dass diese Jubiläumsveranstaltung für alle Beteiligten ein grandioser Erfolg war und zu weiteren Taten förmlich animierte. Der Schützenplatz in Wellingholzhausen hatte noch nie so viele Menschen gesehen.

In diesem Jubiläumsjahr stand die Kapelle auch vor der Aufgabe, ein neues Übungslokal zu finden. Nach Schließung des Gasthauses Seidel/ Hunfeld fand man vorübergehend Unterschlupf in der alten Küsterschule und zog im Laufe des Jahres in die Räumlichkeiten des Gastwirtes Hans Schrage. Sieben Jahre später nutzte man die sich durch den Neubau des „Haus des Gastes“ bietende Möglichkeit und verlegte die Übungsabende dorthin.

Mit dem Bau des „Haus des Gastes“ bot sich für die Heimatkapelle auch erstmalig nach 15Jahren wieder die Chance, in geeigneten Räumlichkeiten ihr in den 50er und 60er Jahren traditionelles Konzert durchzuführen. Am 13.12.1981 spendeten 750Zuhörer im hoffnungslos überfüllten „Haus des Gastes“ der Heimatkapelle, die unter wechselnder Stabführung von Hermann Tiemann und Ewald Bitter musizierte, begeisterten Beifall.

„Das musikalische Können der Heimatkapelle liegt weit über dem, was man normalerweise von Amateuren erwarten kann“, war Urteil des Publikums.

Ein solches Konzert ist, allerdings ausgedehnt auf zwei Tage, seitdem fester Bestandteil im kulturellen Leben des Dorfes, aber auch der ganzen Stadt Melle.

Der sich durch den Auftritt zweier Dirigenten beim Winterkonzert abzeichnende Wechsel wurde Ende 1981 vollzogen. Hermann Tiemann, zehn Jahre lang musikalischer Leiter der Heimatkapelle und verantwortlich für die Leistungssteigerung in dieser Zeit, legte sein Amt nieder. Aus den eigenen Reihen konnte dieser Posten mit einem kompetenten und musikerfahrenen Mann, nämlich Ewald Bitter, wieder besetzt werden. Wie bereits vor zehn Jahren brachte auch dieser Wechsel neue Akzente für die Kapelle. In den folgenden Jahren entwickelte sie einen anspruchsvollen und hochwertigen Musikstil für Blasorchester, wobei insbesondere moderner Musik breiter Raum eingeräumt wurde. Dieser Einstellung war und ist es zu verdanken, dass der Zuspruch des Publikums sich durch alle Altersklassen zieht.

Ein Wechsel in der Vorstandsetage des Vereins vollzog sich 1988. Als Nachfolger von Josef (Pepi) Lietmann hatte Adolf Ahringhoff seit 1968 die Geschicke des Vereins als Geschäftsführer geleitet. Nach 20jähriger verdienstvoller Tätigkeit gab er 1988 sein Amt in die Hände von Klaus Schreer. Anlässlich seines 50.Geburtstages wurde Adolf Ahringhoff im selben Jahr zum Ehrengeschäftsführerernannt.

Stetig steigende Kosten führten Anfang der 90er Jahre dazu, dass sich die Kapelle verstärkt um andere Einnahmequellen bemühen musste. Mit Gagen aus Auftritten sowie geringen Zuschüssen seitens der öffentlichen Hand war die Finanzierung der Vereinsarbeit nur noch unzureichend gewährleistet. Im Jahre 1990 beantragte die Heimatkapelle die Eintragung in das Vereinsregister und besitzt seit diesem Zeitpunkt den Status der Gemeinnützigkeit. In diesem Zusammenhang wurde auch die Möglichkeit geschaffen, mittels einer sogenannten „grünen Karte“, förderndes Mitglied der Heimatkapelle zu werden, um dadurch mit einem geringen Jahresbeitrag eine solide finanzielle Grundlage für die weitere Vereinsarbeit zu schaffen.

„Ein kleines beschauliches Fest in Feierhausen“ so äußerte sich ein Besucher über das von der Heimatkapelle in Zusammenarbeit mit Gastwirt Hans Schrage ausgerichtete“ Erste Wellingholzhausener Oktoberfest“. Im Herbst 1998 entwickelte sich dieses, im blau-weiß geschmückten „Haus des Gastes“ durchgeführte Fest zu einem wahren Publikumsmagneten. Die Erwartungen der Heimatkapelle und des Vereinswirtes wurden weit übertroffen. Bis in die frühen Morgenstunden feierten die Besucher bei Brotzeit und Bier ein Fest, wie es sonst nur in Bayern möglich ist. Und bereits nach der Veranstaltung steht fest, dass der gelungenen Premiere Wiederholungen im Zweijahresrhythmus folgen werden.

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Neuland beschritt die Heimatkapelle anlässlich des 50jährigen Jubiläums. Mit der erstmaligen Herausgabe einer eigenen CD sollen 50 Jahre Musikgeschichte konserviert werden. Ein in einem alten Gut in Detmold untergebrachtes Tonstudio war Ort der Aufnahme. Die Kapellanten um ihren Dirigenten Ewald Bitter mussten feststellen, wie viel Schweiß und Nerven es kostet, bis ein Musikstück den hohen klanglichen Anforderungen des Toningenieurs entspricht. Einzelaufnahmen mit Kopfhörern, bei denen dieselbe Stelle bis zu 20 mal gespielt werden musste, dürfte einigen noch gut in Erinnerung geblieben sein. Die CD wurde erstmalig am Jubiläumswochenende zum Verkauf angeboten.

Im Herbst 1998 legte Ewald Bitter aus beruflichen Gründen, die den mit der Leitung der Heimatkapelle verbundenen Zeitaufwand nicht mehr zuließen, den Dirigentenstab nieder. Insbesondere im Hinblick auf das Jubiläumsjahr 1999 war dies für die Kapelle ein großer Schock. Die aus den eigenen Reihen geäußerte Befürchtung, die Probenintensität würde in einer dirigentenlosen Zeitzurückgehen, wurde von der Kapelle selbst wiederlegt. Obwohl das Repertoire der Übungsabende sich während dieser Zeit auf einfache Stücke beschränken musste, waren die Übungsabende durchweg sehr gut besucht. Nach einigen Wochen zeichnete sich in Chris Stieve-Dawe eine neue Lösung für den vakanten Dirigentenposten ab. Als Bandleader einer englischen Militärband kann Chris auf mehr als 20jährige Erfahrung bei Auftritten in der ganzen Welt zurückblicken. Von dieser Erfahrung profitierte die Kapelle während der gesamten Vorbereitung auf das Frühlingskonzert 1999, das insbesondere durch die durch Chris gesetzten eigenen Akzente und der Kombination von Show und Musik zu einem vollen Erfolg wurde. Zirkus-Direktor Hans Birke, ein Grammophon und eine menschliche Kanonenkugel sind nur einige Beispiele des Unterhaltungsprogramms.

Außerhalb des Konzertes dirigierte Chris Stieve-Dawe die Kapelle erstmalig beim Kinderschützenfest 1999. Einen solch disziplinierten Auftritt auf einem Schützenfest dürfte selbst der älteste Kapellant noch nicht erlebt haben.

Chris, der nach eigenen Worten eher Ausbilder als Mitglied sein will, wird auch in Zukunft dafür sorgen, das Niveau der Kapelle zu steigern. Gleichzeitig hat er angeboten, einzelne Mitglieder als Dirigenten zu schulen, damit einfache Auftritte zukünftig eigenverantwortlich durchgeführt werden können.

Die große Zahl der aktiven Mitglieder in Mini-, Jugend und Heimatkapelle sprechen dafür, daß sich das Musikleben in der Heimatkapelle kontinuierlich weiterentwickeln wird.

„Neues entfalten – Traditionen erhalten“. Unter diesem Motto wird die Heimatkapelle den Start in die zweiten 50 Jahre Vereinsleben beginnen.

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Start der zweiten 50 Jahre

Die Jubiläumsveranstaltung zum 50sten Geburtstag der Kapelle stellte für sich alleine bereits den Höhepunkt schlechthin dar; gleichzeitig scheint dieses Ereignis aber auch ungeahnte Begeisterung verbunden mit einem riesengroßen Engagement freigesetzt zu haben. Seit dem Jubiläum befindet sich die Kapelle in einem gewaltigen Umbruchsprozess – den Grund weiß keiner so richtig, dass Ergebnis ist sicht- und hörbar.

Die Festveranstaltung zum Jubiläum Ende August 1999 entwickelte sich zu einer Feier der ganz besonderen Art. An zwei Tagen zogen die Mitglieder der Kapelle alle Register ihres Könnens und verwandelten die Beutlinghalle und den dazugehörigen Parkplatz in ein Festgelände.

Der Samstagabend war dem großen Jubiläumskonzert vorbehalten. In einer durch die Mitglieder mit Unterstützung von Manfred Lemme umfunktioniert und dekorierten Turnhalle bot die Kapelle unter Leitung von Chris Stieve Dawe ein Konzert der Extraklasse. Neben Schirmherr Christian Wulff konnten Vertreter von Stadt und Landkreis sowie vieler örtlicher Vereine begrüßt werden. Mit über 800 Besuchern war die Halle bis auf den letzten Platz besetzt. Präsentiert wurden Highlights aus 5 Jahrzehnten Blasmusik. Die sich anschließende Tanzveranstaltung dauerte bis in den frühen Morgen.12075772

Optischer Höhepunkt des Jubiläums war am Sonntag der große Festumzug. Durch ein mit großem Aufwand geschmücktes Dorf bewegten sich 4 Züge unter Beteiligung von 8 Kapellen und ca. 20 örtliche Vereinen als Fußgruppen bzw. Festwagen auf die Kirche zu um von dort in einem gemeinsamen Zug zur Beutlinghalle zu ziehen. Abschluss bildete der von allen Kapellen gemeinsam intonierte Marsch „Alte Kameraden“. Platzkonzerte der einzelnen Kapelle in und an der Halle schlossen sich an.

Der Zulauf zum hoffnungslos überfüllten als Lunapark umgestalteten Parkplatz war bei strahlendem Sonnenschein riesig.

Aufgrund des großen Erfolges verlegte die Heimatkapelle das Frühlingskonzert ebenfalls in die Beutlinghalle; ein in jedem Jahr ausverkauftes Konzert stellt diesen Schritt als richtig dar.

Die 1999 begonnen gemeinsamen Weihnachtskonzerte mit dem Blasorchester Borgloh fanden nach zwei Veranstaltungen in den Kirchen in Borgloh und Wellingholzhausen in einem Konzert in der Mediahall in Melle im Jahr 2001 ihren Höhepunkt. Unterstützt durch das Polizeimusikkorps Hannover beeindruckte das aus über 120 Musikern bestehende Orchester die mehr als 1200 Zuhörer. Über 13.500 DM für die Hilfsorganisation „terre des hommes“, eine TV Berichterstattung in N 3 und rundum zufriedenen Zuschauer waren das Ergebnis dieser außergewöhnlichen Veranstaltung.


Geschichten aus 50 Jahren Kapelle

Übungsabende in Nordheiders Gaststätte

Neben der Finanzierung der Instrumente und Noten stellte insbesondere die Suche nach einem geeigneten Probenraum die Kapelle lange Zeit vor große Probleme.

Nach Engelberts Küche fand man Zuflucht in Nordheiders Gaststätte. Diese heute nicht mehr existierende Kneipe verfügte über ein altes, kleineres Gastzimmer, in dem man einige Zeit probte, bis dann die im Haus befindliche Diele zu einem neuen Saal mit Parkettfußboden umgebaut wurde.

Opa Stolle, seines Zeichens Pächter dieser Kneipe, war sowohl besonders stolz auf den Parkettfußboden als auch gleichermaßen besorgt um eben diesen. Besonders unruhig wurde er aber, als er feststellen musste, dass bereits nach wenigen Stücken die Musiker einen Hebel an ihrem Instrument betätigten und sich – je nach Größe des Instruments – eine mehr oder minder große Menge Flüssigkeit auf das neue Parkett ergoss.

Entlüllen‘ nannten es die Kapellanten nur und machten sich keine weiteren Gedanken darüber. Anders Opa Stolle: Wasser und neues Parkett – das konnte nicht gut gehen! Die Kapelle aus dem gerade neu bezogenen Domizil zu vertreiben war ebenfalls keine Lösung. Was lag da a so näher, als im ganzen Raum – wie bei einem undichten Dach – Eimer zu verteilen und die Kapellanten anzuhalten, diese zu nutzen.

Die Idee war gut. – dachte zumindest Opa Stolle. Ganz anders da die Kapellanten: „Die paar Tropfen können doch keinem etwas anhaben, auch nicht einem neuen Parkett“, dachten sie, „dem wollen wir mal zeigen, was wir können!“

Gesagt, getan. Nachdem die Eimer während einer Probe gerade von Opa Stolle geleert worden waren und dieser wieder hinter der Theke verschwunden war, nahm sich Steinkühlers Heinz einen der Eimer, sprang aus dem Fenster und füllte ihn mit Wasser. Um das Ganze noch etwas echter aussehen zu lassen, tat er schnell noch etwas Bier hinzu. Gut geschüttelt war das Ergebnis von normaler ‚Lülle‘ nicht mehr zu unterscheiden.

Der nächste Marsch war kaum zu Ende gespielt, da juckte es Heinz und er rief: „Opa, kumm mol, de Ömmer es ollweh füll!“

Die Aufputschtablette

Es war am 14, März 1952, der Schützenkönig hatte Geburtstag, und die Heimatkapelle brachte ein Ständchen. Üblicherweise ging dieses nicht ohne den Verzehr von Schnaps und Bier ab. Pepi, seines Zeichens Bäcker, sah mit Grauen dem nächsten Morgen entgegen, wo er in aller Frühe in der Backstube stehen musste.

Nach dem Verzehr diverser Biere wollte er bereits im Vorfeld des zu erwartenden Katers etwas dagegen tun und nahm eine ‚Aufputschtablette Hallo-Wach‘. Animiert von dieser vermeintlich pfiffigen Idee wollten es einige Kapellanten ihrem Geschäftsführer gleichtun und griffen ebenfalls beherzt zu.

Was sie jedoch nicht wussten, war, dass es sich bei der ersten Tablette tatsächlich um das entsprechende Präparat, bei allen weiteren jedoch um verdauungsunterstützende Abführmittel handelte. Tags darauf traf man sich wie so oft in Pepis Backstube.

Pepi erzählte voll Schadenfreude: „Hat doch eben die Mutter von einem Bläser zu mir gesagt: „Ick wäit gar nicht, wat met usen Jungen es, ick gläuwe, de schitt sich daut!“ Kurz darauf kam noch ein Kapellant dazu und man fragte: „Wie ging es dir denn heute, hattest du auch Durchfall?“ Jau, ganz gewaltig, owwer bi mi wasset egol, wi häwwet van Dage sauwisau Aal föht.“

Der Pascha

Bei einer Probe im alten Gasthaus Seidel schien Kurt Bitter von Paschagelüsten befallen zu sein. Er lehnte sich in seinem breiten Lehnstuhl zurück und verkündete: „Wenn ihr mich nach Hause tragt, gibt es bei uns Spiegeleier.“ Das ließen sich die noch anwesenden Kapellanten nicht zweimal sagen und trugen ihren Dirigenten Kurt kurzerhand quer durch das Dorf nach Hause.

Mit der Menge an Spiegeleiern und Brot, die anschließend in Bitters Küche verzehrt worden sein soll, hätte man sogar ein Taxi bis Melle bezahlen können.

 

Ende der 50er Jahre hielten sich die Kapelle und der Kegelclub ‚Grönenberg‘ bei einem Ausflug in der Nähe des Meller Bahnhofs auf.

Langeweile führte zu der Idee, sich auf den Bahnsteig zu begeben und der nächsten aussteigenden Person ein Ständchen zu spielen. Gesagt, getan. Die Kapelle formierte sich am Gleis, der Zug fuhr ein, der erste Fahrgast stieg aus und die Kapelle intonierte einen Marsch.

Zwischenzeitlich war sogar ein Blumenstrauß besorgt worden, mit dem der ‚hundert-tausendste Kurgast in Melle‘ offiziell von Dr. Wilhelm Lindhaus begrüßt wurde. Die lapidare Antwort des unerwartet zu Ehren gekommenen Fährgastes: „Das muss ein Irrtum sein, ich wohne hier!“

 

Übungsabende bei Lehrer Rogoll waren geprägt von Disziplin und Aufmerksamkeit. Dies war nicht jedes Kapellanten Sache, so dass man sich schon das ein oder andere Mal negativ dazu äußerte. Gegenüber Herrn Rogoll diese Kritik anzumelden, fiel jedoch schwer.

Eines Abends stand stellvertretend für alle Willi Lumme auf und sagte; „Herr Rogoll, da ich der Redegewandteste bin, will ich hier das Wort ergreifen.“ Er stockte, fasste sich an den Kopf:

„Mensch, jetzt habe ich den Faden verloren.“